Vorsorgeuntersuchung Katze

Deine Katze wirkt gesund? Das bedeutet leider nicht automatisch, dass sie es auch ist.

April 17, 2026 By Kerstin Heck

Viele Katzenmamis verlassen sich darauf, dass sie merken würden, wenn mit ihrer Katze etwas nicht stimmt.

Doch genau das ist einer der häufigsten Irrtümer in der Katzenhaltung.

Denn Katzen sind Meister darin, Beschwerden und Schmerzen zu verbergen.
Und viele Erkrankungen entwickeln sich schleichend, so langsam, dass selbst aufmerksame Halter die Veränderungen oft nicht bemerken.

Eine Langzeitstudie aus 2024 zeigt deutlich, wie häufig Erkrankungen bei scheinbar gesunden älteren Katzen tatsächlich sind.

Jede fünfte „gesunde“ Katze war bereits krank

In der Studie wurden 259 Katzen ab 7 Jahren untersucht, die laut Halter vollkommen gesund wirkten.

Das Ergebnis war alarmierend:

21 % dieser Katzen hatten bereits eine klinisch relevante Erkrankung, ohne dass ihre Halter es bemerkt hatten.

Besonders häufig wurden diagnostiziert:

  • Chronische Nierenerkrankung
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Zahnerkrankungen
  • Herzveränderungen
  • Bluthochdruck

Das Risiko steigt schon ab 7 Jahren deutlich an

Viele Halter denken, Vorsorgeuntersuchungen seien erst bei alten Katzen wichtig.

Doch die Studie zeigt:

Bereits bei Katzen zwischen 7 und 10 Jahren hatten 12 % trotz unauffälligem Verhalten eine Erkrankung.

Bei Katzen über 10 Jahren waren es sogar 35 %.

Das bedeutet:

Schon ab 7 Jahren steigt das Risiko deutlich an, lange bevor viele Halter ihre Katze als „alt“ betrachten.

Auch heute gesund heißt nicht: Morgen gesund

Besonders spannend war die Nachbeobachtung über 2 Jahre.

Dabei zeigte sich:

Von den anfangs gesunden Katzen entwickelten innerhalb von nur 2 Jahren:

  • 28 % der 7–10-jährigen Katzen eine Erkrankung
  • 54 % der Katzen über 10 Jahre eine Erkrankung

Mehr als jede zweite Senior-Katze wurde also innerhalb kurzer Zeit krank, am häufigsten mit Chronischer Nierenerkrankung ≥ Stadium 2 (IRIS-Stadien).

Warum Katzenhalter Erkrankungen oft zu spät bemerken

Viele typische Warnzeichen wirken harmlos oder werden als normales Altern fehlinterpretiert. Die Katze schläft mehr, sie spielt weniger, springt seltener, frisst langsamer, zieht sich mehr zurück oder trinkt etwas mehr. All das erscheint für Katzenhalter zunächst harmlos, doch genau solche Veränderungen können erste Hinweise auf Erkrankungen sein.

Warum Vorsorgeuntersuchungen so wichtig sind

Je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto besser sind meist die Behandlungsmöglichkeiten, die Krankheitskontrolle, die Lebensqualität der Katze sowie die Prognose.

Gerade bei chronischen Erkrankungen wie Niereninsuffizienz oder Schilddrüsenüberfunktion kann eine frühe Diagnose entscheidend sein.

Empfehlung: Ab wann sollte deine Katze regelmäßig zum Check-up?

Internationale Leitlinien empfehlen bei älteren Katzen ab 10 Jahren regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen im Abstand von 6 Monaten, weil sich viele altersbedingte Erkrankungen schleichend entwickeln und von Haltern oft erst spät bemerkt werden. Bei reifen erwachsenen Katzen (im Alter von 7– 10 Jahren) alle 1–2 Jahre.

Je nach Gesundheitszustand kann dein Tierarzt häufigere Kontrollen empfehlen.

Fazit

Nur weil deine Katze gesund wirkt, heißt das nicht, dass sie gesund ist.
Katzen zeigen Beschwerden oft erst sehr spät. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen dabei, Erkrankungen früh zu erkennen bevor sie sichtbar werden.
Die beste Medizin ist oft nicht die Behandlung, sondern die rechtzeitige Diagnose.

Quelle: Journal of Veterinary Internal Medicine, Link aufgerufen im April 2026: https://academic.oup.com/jvim/article/38/4/2089/8448714?login=false